22.9.14: Zum G9-Volksbegehren: Schüler sind keine Versuchskaninchen

Nach Auffassung des Arbeitgeberverbands Nordmetall würde den Hamburger Gymnasien mit einem Zurück zu G9 eine Katastrophe drohen - und den Stadtteilschulen gleich mit. Noch mehr Schüler würden den Weg auf das Gymnasium wählen, die Stadtteilschulen verkämen zu unbeliebten Restschulen, und das Gymnasium würde zu einer neuen weiterführenden Einheitsschule. „Schlimmer ginge es nimmer“, warnt Peter Golinski, Geschäftsführer Bildung und Arbeitsmarkt bei Nordmetall. Der Verband hofft daher auf ein Scheitern des Volksbegehrens in Hamburg.

„Die Hamburger Schulen haben trotz steter Verbesserungen noch genügend Baustellen – den Abbau des Unterrichtsausfalls, die Verbesserung der Ausbildungs- und Studienreife der Abgänger, praxisorientierte Lehrerausbildung und so weiter“, so Golinski. Ein Zurück zu G9 wäre absolut kontraproduktiv: „G8 an Gymnasien und G9 an Stadtteilschulen ist der richtige Weg in Hamburg.“

Die Kritik an der Umsetzung von G8 sieht Nordmetall zwar durchaus begründet: „Vieles wurde einfach schlecht gemacht. Aber die Alternative zu einem schlechtem G8 ist nicht G9, sondern ein besseres G8“, so Golinski.

Endlose Strukturdiskussionen würden nicht nur Pädagogen, Schüler und Eltern zermürben, sondern auch das eigentliche Ziel gefährden: nämlich möglichst gute Schulabschlüsse für alle Jugendlichen. Sie seien die Voraussetzung für eine selbstgestaltetes Leben, gesellschaftliche Teilhabe und beruflichen Erfolg, beispielsweise im Herzen der Wirtschaft, der Metall- und Elektroindustrie.

Entscheidend auf dem Weg zum Abitur seien nicht die Jahre, sondern die Qualität des Unterrichts und dafür die Qualifikation der Lehrer. Nordmetall plädiere dafür, endlich wieder Ruhe in den Schulen einkehren zu lassen, damit sich Lehrer und Schüler auf ihre Arbeit konzentrieren könnten.

Wenn alle paar Jahre die Konzepte wieder total umgekrempelt würden, müssten die Schulen jedes Mal von vorne anfangen. „Dann kommen sie aber nie zum Ziel, und die Schüler bleiben Versuchskaninchen“, sagt der Nordmetall-Bildungschef.

Die Arbeitgeber kritisieren auch die Argumentation der Volksinitiative „G9-Jetzt-HH“: „Leider beherrschen Bauchgefühle die Diskussionen um unser Schulsystem. Zum Wohle unserer Kinder müssen wir uns aber an die Fakten halten“, forderte Golinski.

Er weist darauf hin, dass viele Bundesländer seit langem und sehr erfolgreich das Abitur nach acht Jahren praktizieren. Auch der Blick ins europäische Ausland zeige, dass die allgemeine Hochschulreife nach zwölf Schuljahren bei entsprechenden Rahmenbedingungen problemlos für Schülerinnen und Schüler sei.

Mehrere Studien und Untersuchungen hätten außerdem nachgewiesen, dass das G8 im Vergleich zum G9 keine relevanten Auswirkungen auf die Freizeitaktivitäten und die Lebenszufriedenheit der Schüler habe. Auch die schulischen Leistungen unterschieden sich zwischen G8 und G9-Schülern kaum. „Alle Fakten sprechen also für die Beibehaltung des jetzigen Systems. Wir können noch viel an dessen Qualität tun, aber neue Verschlimmbesserungen brauchen wir ganz sicher nicht“, so das Fazit des Bildungsexperten.



Ausführliche Hintergrundinformationen finden Sie im aktuellen Bildungsmonitor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln.