10.6.14: Über 500 Jugendliche bekamen schon eine "Nordchance"

Sie hatten schlechte Noten, soziale Probleme oder gar keinen Schulabschluss – und dennoch bekamen sie eine Chance auf einen Ausbildungsplatz. 503 Jugendliche in ganz Norddeutschland haben in den zurückliegenden fünf Jahren am Programm „Nordchance“ teilgenommen. Ins Leben gerufen hat es der Arbeitgeberverband Nordmetall, der benachteiligten Jugendlichen eine Brücke in die Ausbildung bauen will. Jetzt hat Nordmetall Zwischenbilanz gezogen: Von den 503 Teilnehmern haben 409 ein Praktikum aufgenommen und von denen wiederum 309 einen betrieblichen Ausbildungsplatz erhalten. 242 davon landeten in einem Metall- und Elektroberuf. Im letzten Durchgang konnten sogar mehr als 89 Prozent der Jugendlichen in die Praxisphase vermittelt werden. Davon wurden 77 Prozent in die betriebliche Ausbildung übernommen.

 

„Es hilft nichts, nur den Fachkräftemangel zu beklagen, man muss auch etwas dagegen tun oder noch besser: Wir müssen vorbeugen“, so Nordmetall-Präsident Thomas Lambusch. Bei Nordchance würden die Jugendlichen erst einmal drei Monate lang von Sozialpädagogen und Ausbildern individuell betreut sowie bei persönlichen Problemen und schulischen Defiziten unterstützt. Danach hilft ihnen das Nordchance-Team, sich für die Praxisphase in einem Unternehmen zu bewerben.

 

„Die Quoten stechen im Vergleich mit vielen anderen Maßnahmen am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt positiv heraus“, so Nordmetall-Hauptgeschäftsführer Nico Fickinger. Am Anfang habe man es mit jungen Menschen zu tun, denen einige Fähigkeiten und oftmals auch die Orientierung fehle. „Ginge es nur nach der schriftlichen Bewerbung, bekämen viele von ihnen nie ein Vorstellungsgespräch in einem Industrieunternehmen“, so Fickinger.

„Der größte Teil der Jugendlichen, die über das Programm Nordchance zu uns kamen, arbeitet heute erfolgreich für uns“, sagt auch Jörg Milla, Ausbildungsleiter beim Hamburger Gabelstaplerhersteller Still. Er war positiv überrascht über die Leistungen der Teilnehmer am Arbeitsplatz.

 

Laut Nordmetall erfordere der demografische Wandel, in Zukunft mehr Jugendliche mit Vermittlungshemmnissen in das Ausbildungssystem zu integrieren. „Wir wollen mit dem Programm aber nicht nur dem drohenden Fachkräftemangel vorbeugen, sondern auch der besonderen sozialpolitischen Verantwortung der Metall- und Elektroindustrie im Norden Rechnung tragen“, so Hauptgeschäftsführer Fickinger.

 

Das Projekt wurde 2008 vom damaligen Nordmetall-Präsidenten Ingo Kramer (heute BDA-Präsident) initiiert. Das Budget von 7,5 Millionen Euro ist kalkuliert für 1.000 Teilnehmer. Nordchance wird also weitergeführt. Neben den Standorten Bremen, Bremerhaven, Hamburg, Kiel und Rostock ist seit diesem Jahr auch Neubrandenburg dabei. Dort wird das Programm vom Nordmetall-Schwesterverband AGV NORD gefördert.

 

Anlässlich der Zwischenbilanz nach fünf Jahren hat Nordmetall auch eine 112-seitige Dokumentation herausgegeben – Titel: „Kann nichts“ gibt’s nicht. In dem Buch schildern die von NORDMETALL ausgewählten Bildungsträger an den verschiedenen Standorten ihre Erfahrungen bei der Auswahl, Vorbereitung und Betreuung der Jugendlichen. Darüber hinaus kommen Teilnehmer, Ausbilder, Ausbildungsleiter, Personalleiter, Geschäftsführer, Berufsschullehrer und Mitarbeiter aus Jobcentern und Arbeitsagenturen zu Wort. Die Dokumentation ist bei Nordmetall erhältlich oder hier online lesbar.

Siehe auch die aktuelle Reportage im NORDMETALL-Magazin "Standpunkte".