28.1.15: Nordmetall-Arbeitgeber verlangen Kompromisskurs

Der Arbeitgeberverband Nordmetall hat die für kommende Nacht angekündigten Warnstreiks der IG Metall als unnötige Kraftmeierei bezeichnet. Sie seien keine unmittelbare Reaktion auf das heute gemachte Angebot der Arbeitgeber in der Tarifrunde: „Die Aktionen der Gewerkschaft sind ja seit Monaten geplant. Sie werden die Lösungssuche allerdings nicht beschleunigen“, so Nordmetall-Verhandlungsführer Thomas Lambusch. Den von IG-Metall-Bezirksleiter Geiken erhobenen Vorwurf der Provokation wies Lambusch zurück: „Stur bleiben und streiken führt nicht zur Lösung. Wir Arbeitgeber haben uns mit unserem Angebot bewegt. Jetzt muss die IG Metall auf Kompromisskurs einschwenken.“

Zuvor hatte Nordmetall in der zweiten Tarifverhandlung für die norddeutsche Metall- und Elektroindustrie in Bremen das bereits bekannte, bundesweit abgestimmte Angebot vorgelegt. Es sieht für die 140.000 Beschäftigten eine dauerhafte Einkommenserhöhung um 2,2 Prozent ab 1. März bis 31. Dezember 2015 vor. Für das Durchschnittseinkommen norddeutscher Metaller, das derzeit bei rund 50.000 Euro liege, bedeute das eine weitere Erhöhung um 1.100 Euro, so Nordmetall.

„Unser Angebot orientiert sich nicht am Geforderten, sondern am Machbaren. Die Löhne sind in den vergangenen Jahren gestiegen, die Produktivität ist zurückgegangen und die Inflation liegt nahe null. Vor diesem Hintergrund sind 2,2 Prozent wirklich fair für alle. Wir müssen an beides denken: den Geldbeutel der Arbeitnehmer und die Belastbarkeit der Unternehmen“, sagte Lambusch nach der Verhandlung. Er bezifferte das Gesamtplus für das Kalenderjahr auf fast 2,6 Prozent, weil die letzte Tariferhöhung aus 2014 noch in das laufende Jahr hineinwirkt. „Damit erhalten unsere Beschäftigten erneut ein deutliches Reallohnplus“, betonte Lambusch.

„Nur wettbewerbsfähige Betriebe bieten sichere Arbeitsplätze. Beschäftigte und ihre Familien wollen kein Job-Risiko“, so Lambusch. Aus dem IG-Metall-Motto „Wir für mehr“ dürfe am Ende kein „Ihr nicht mehr“ werden.

Bei der Altersteilzeit strebt Nordmetall eine Neuregelung an, die pauschale Frühverrentungen vermeiden soll: „Besonders belastete Arbeitnehmer sollen ihren Anspruch auf Altersteilzeit behalten. In diesen Fällen wird die Altersteilzeit künftig sogar vom Arbeitgeber alleine finanziert. Im Gegenzug müssen wir aber dafür sorgen, dass arbeitsfähige Beschäftigte so lange wie möglich im Betrieb bleiben“, so Lambusch. „Die IG Metall hat die Rente mit 63 gefordert und bekommen, jetzt müssen wir sehen, dass wir nicht noch mehr ältere Mitarbeiter verlieren“, sagte Lambusch. Auf die besonders Belasteten wirke sich das kaum aus: Statt 2,5 hätten künftig immer noch 2 Prozent der Belegschaft einen Anspruch auf Altersteilzeit. Diese Deckelung sei wegen der kontinuierlich verbesserten Arbeitsbedingungen auch vertretbar.

Die von der IG Metall geforderte „Bildungsteilzeit“ lehnen die Arbeitgeber weiterhin ab. „Unsere Unternehmen werden im eigenen Interesse den hohen Umfang der betrieblichen Weiterbildung beibehalten. Dazu braucht es keine zusätzlichen Tarifverträge und schon gar keine bundesweite Regelung, die alle Betriebe über einen Kamm schert“, so Lambusch. Man sei jedoch bereit, gemeinsam mit der Gewerkschaft über Maßnahmen für An- und Ungelernte nachzudenken. Hier habe Nordmetall mit seinem Projekt „Nordchance“ in den vergangenen sieben Jahren schon viele gute Erfahrungen gesammelt.

Die nächste Tarifverhandlung findet am Donnerstag, dem 12. Februar 2015, in Hamburg statt (Hotel Empire Riverside, Bernhard-Nocht-Straße 97).