14.11.13: Wachstum in 2014 nur mit richtigen Weichenstellungen möglich

Die norddeutsche Metall- und Elektroindustrie erwartet für die kommenden Monate steigende Aufträge und eine weitgehend stabile Beschäftigung. Allerdings stünden diese Erwartungen unter dem Vorbehalt der politischen Weichenstellungen in Berlin, hieß es am Donnerstag von den „M+E-Arbeitgebern im Norden“. Dieses Bündnis von Nordmetall und sieben weiteren Arbeitgeberverbänden in Norddeutschland hatte in seiner aktuellen Herbstumfrage nach der konjunkturellen Lage gefragt. 77 Prozent der Mitgliedsunternehmen meldeten gute oder befriedigende Geschäfte (31% bzw. 46%). 20 Prozent bezeichneten die aktuelle Situation als unbefriedigend, 3 Prozent sprachen von schlechten Geschäften.

„Uns beunruhigt, dass die Auftragspolster seit über einem Jahr mehr und mehr abschmelzen“, so Nordmetall-Vizepräsident Thomas Lambusch. 32 Prozent der Unternehmen empfänden ihren gegenwärtigen Auftragsbestand als zu gering. Nur 29 Prozent seien mit ihren Aufträgen länger als ein halbes Jahr ausgelastet. „Im vergangenen Herbst waren dies noch 38 Prozent, im Frühjahr 2012 noch 57 Prozent“, sagte Lambusch. Auch die Kapazitätsauslastung der norddeutschen M+E-Industrie liege in diesem Herbst mit 86 Prozent immer noch knapp unter dem 10-jährigen Mittel von 87 Prozent.

„Angesichts der ungelösten Eurokrise, schwächerer Nachfrage aus China und besorgniserregender Pläne der künftigen Regierungskoalition in Berlin behaupten sich unsere Unternehmen erstaunlich gut“, so der Nordmetall-Vizepräsident. Dass 33 Prozent der Unternehmen steigende Auftragseingänge erwarten, sei gewachsener Zweckoptimismus nach dem Motto „Jetzt muss es doch langsam mal wieder nach oben gehen“.

Das für 2013 erwartete Umsatzplus liegt im Durchschnitt der Unternehmen bei nur 4 Prozent. 26 Prozent wollen im kommenden Jahr ihre Preise nach oben anpassen – deutlich mehr Unternehmen als in den vergangenen Befragungen.

„Wenn die Stückzahlen zu wünschen übrig lassen und das Mengenwachstum vor allem aus den Schwellenländern fehlt, müssen die Unternehmen ihre Umsätze mit anderen Mitteln halten“, so Lambusch. Die Produkte „made in Germany“ seien bei vielen wettbewerbsfähig genug, um sie ein wenig teurer zu machen. Deutschland zur Zurückhaltung beim Export zwingen zu wollen, wie kürzlich von US-Politikern, aber auch Mitgliedern der EU-Kommission gefordert, sei geradezu absurd. „Der Export ist die Quelle unserer Kraft, mit der wir seit Jahren ganz Europa stabilisieren“, so Lambusch. Auch der Norden bleibt eine exportstarke Region. 78 Prozent der Unternehmen in der Metall- und Elektroindustrie liefern ins Ausland, 27 Prozent sogar die Hälfte ihrer Waren.

„Unsere Unternehmen versuchen, mit allen Mitteln fit zu bleiben in schwierigen Zeiten. Das darf nicht von politischen Rahmensetzungen konterkariert werden“, mahnte Lambusch. Wachstum in 2014 sei möglich, wenn die Große Koalition keine falschen Entscheidungen treffe, wie beispielsweise in der Energiepolitik. Die Kürzungspläne bei der Windkraft seien unfassbar: „Damit würgt man Märkte ab, kurz nachdem sie angefangen haben, sich zu entwickeln“, warnte Lambusch. Das gefährde auch viele tausend Arbeitsplätze im Norden. Schädlich für den Aufschwung seien auch sämtliche im Bereich Arbeitsmarktpolitik diskutierten Maßnahmen, wie die Erschwerung von Zeitarbeit, Werkverträgen und Befristungen oder die angekündigten Regeln zur Entgeltgleichheit von Frauen und Männern: „Alle von Schwarz-Rot diskutierten Wohltaten für Arbeitnehmer werden zu steigender Arbeitslosigkeit führen“, prophezeite Lambusch. Sozial sei, was Arbeit schaffe, dies gelte mehr denn je.

Noch planten 23 Prozent der Unternehmen, die Zahl ihrer Mitarbeiter im kommenden Jahr zu erhöhen. „Das steht sofort zur Disposition, wenn die Bundesregierung mit der personalpolitischen Gängelung der Wirtschaft überzieht.“ Die Metall- und Elektroindustrie sei das Herz der Wirtschaft. Je kräftiger es schlage, umso besser für deutsche Arbeitsplätze, deutsche Steuerkassen und deutsche Sozialsysteme.

Lambusch übte auch Kritik an der Zinspolitik der EZB: „Die erneute Zinssenkung holt keinen Investor hinter dem Ofen vor. Man sieht doch, dass die Investitionslaune der EU-Krisenländer trotz billigen Geldes nicht anspringt. Die Geldschwemme führt eben nicht zum Aufschwung, den nicht nur die Krisenländer brauchen, sondern auch wir, deren Kunden diese Länder sind“, so Lambusch. Zu dem Thema erwarte er in zwei Wochen klare Antworten vom Festredner des diesjährigen Nordmetall-Martinsgansessens, dem EZB-Direktor Jörg Asmussen.

Die „M+E-Arbeitgeber im Norden“ fragen ihre Mitgliedsunternehmen halbjährlich nach ihrer aktuellen Geschäftslage und den Zukunftserwartungen. In diesem Herbst beteiligten sich 244 Unternehmen an der Umfrage. Sie repräsentieren gut 66.000 Beschäftigte.

Die M+E-Arbeitgeber im Norden vereinen sieben Arbeitgeberverbände und rund 600 Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie in Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und im nordwestlichen Niedersachsen. Die M+E-Arbeitgeber repräsentieren damit eine Schlüsselindustrie des Nordens mit über 150.000 Mitarbeitern.
Die Verbände: Allgemeiner Arbeitgeberverband von Bremen, Allgemeiner Verband der Wirtschaft Norddeutschlands, Allgemeiner Wirtschaftsverband für Industrie, Handwerk, Handel und Gewerbe Wilhelmshaven-Friesland, Arbeitgeberverband Oldenburg, Arbeitgeberverband für Ostfriesland und Papenburg, Nordmetall Verband der Metall- und Elektroindustrie, Unternehmensverband Cuxhaven Elbe-Weser-Dreieck.