26.9.14: IG Metall schadet Weiterbildung - Unternehmen nicht vor den Kopf stoßen

Mit Befremden hat der Arbeitgeberverband Nordmetall auf die Kündigung des „Tarifvertrags zur Qualifizierung“ zum Ende des Jahres durch die IG Metall reagiert. „Ohne Not steigt die Gewerkschaft aus einem Tarifwerk aus, das den Beschäftigten einen Anspruch auf regelmäßige Qualifizierungsgespräche sowie auf volle Kostenübernahme durch den Arbeitgeber bei betrieblich notwendiger Weiterbildung garantiert. Das ist etwas verwunderlich für eine Gewerkschaft, die nach eigenem Bekunden die Weiterbildung der Beschäftigten fördern möchte“, erklärte Nordmetall-Hauptgeschäftsführer Dr. Nico Fickinger in Hamburg. „Ob man am Ende mehr für die Beschäftigten erreicht, wenn man die vielen weiterbildungsfreudigen Unternehmen mit solch einer Kampfansage vor den Kopf stößt, wage ich zu bezweifeln.“

Die Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie hätten ein hohes Eigeninteresse an möglichst qualifizierten Mitarbeitern und investierten deshalb schon jetzt in ganz Deutschland mehr als sieben Milliarden Euro jährlich in die Aus- und Weiterbildung. „Aber die Bedürfnisse der Beschäftigten und der Betriebe sind so unterschiedlich, das lässt sich nur individuell in den einzelnen Unternehmen und Regionen organisieren“, so Fickinger weiter.

Etwas anderes sei die Frage, ob – und wenn ja: wie – man generell Auszeiten für Erziehung, Pflege oder Qualifizierung in den verschiedenen Lebensphasen der Mitarbeiter regeln wolle. „Solche Gespräche kann man nur in Ruhe und ohne Druck von der Straße führen. Darüber waren wir uns vor Monaten auch schon mit der IG Metall einig. Dass die IG Metall jetzt diesen Konsens verlässt und das Thema in die Emotionalität und Kurzatmigkeit einer Tarifrunde hineinzieht, ist bedauerlich“, meint Fickinger.