8.3.16: „Falsche Zeit für Höhenflüge“: NORDMETALL-Tarifkampagne 2016 gestartet

Besonnene Standortsicherung statt abgehobener Lohnforderungen – das ist in unübersichtlichen Zeiten das Gebot der Stunde. Mit der Tarifkampagne „Falsche Zeit für Höhenflüge“ will NORDMETALL die IG Metall auf den Boden der Tatsachen zurückholen und die M+E-Industrie vor dem Absturz bewahren.

Doch die IG Metall stellt sich erst mal taub für Argumente und setzt ihren unverantwortlichen Blindflug fort. 

Seit Anfang März haben es die Arbeitgeber schriftlich: Die IG Metall geht mit der Forderung nach 5 Prozent mehr Entgelt in die diesjährige Tarifrunde für die rund 140.000 Beschäftigten der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie. Sonst nichts. Doch die schlanke Erklärung birgt gewaltige Sprengkraft in sich: Ein so hohes Lohnplus könnte unsere Branche, das Herz der norddeutschen Industrie, nur schwer verkraften. Arbeitsplätze wären in Gefahr, die Betriebe würden zur Abwanderung ins Ausland geradezu ermuntert, und der Flucht aus dem Flächentarif würde weiter Vorschub geleistet.

NORDMETALL-Präsident Thomas Lambusch warnt deshalb in diesen Tagen intensiv vor den Folgen dieses Blindflugs: „Die Produktivität ist in der Metall- und Elektroindustrie seit 2008 nur um 2 Prozent gestiegen, die Tarifentgelte aber um fast 20 Prozent.“, sagte er der „Welt“ an diesem Montag. Weitere Interviews mit norddeutschen Medien werden folgen, um die klare Botschaft der Arbeitgeber in die Öffentlichkeit zu tragen.   

An überdeutlichen Warnsignalen mangelt es derzeit in keiner Zeitung oder Nachrichtensendung: Krisen, wohin man blickt – von Russland bis zum Nahen Osten, von Griechenland bis Großbritannien. Der Wachstumsmotor China stottert gewaltig. Im Inland fehlen die Investitionen. Das alles bleibt nicht ohne Folgen für unsere Branche: Erste Meldungen über Kurzarbeit und Stellenabbau machen bereits Schlagzeilen. Die IG Metall beeindruckt das nicht. Sie will im Konzert der anderen Gewerkschaften, die um die 6 Prozent gefordert haben, nicht zurückstehen. Sie ignoriert Null-Inflation und Mini-Wachstum und verbiegt ihre eigene Lohnformel nach dem Motto: Was nicht passt, wird passend gemacht, ohne Rücksicht auf Verluste.

„Die überdurchschnittlich gestiegenen Lohnkosten haben bereits viele Unternehmen dazu gebracht, ihr Auslandsengagement zu verstärken: Die Direktinvestitionen sind von 1995 bis 2012 im Ausland um 450 Prozent gewachsen, im Inland hingegen nur um 37 Prozent“, so Lambusch im „Welt“-Interview. Gerade einfachere Tätigkeiten in der produzierenden Industrie, etwa beim norddeutschen Schwergewicht Maschinenbau, seien durch die Auslandsverlagerung stark gefährdet, weil diese Arbeiten leicht in Niedriglohnländern abgewickelt werden können.

Dafür muss man nicht einmal nach Asien blicken, stellte NORDMETALL-Hauptgeschäftsführer Nico Fickinger schon vor wenigen Tagen im NDR-Info-Radio klar: „In unserem Nachbarland Polen finden sich Arbeitskräfte mit mindestens gleicher Qualifikation und Motivation für deutlich weniger Geld. Dort kostet die Arbeitsstunde im verarbeitenden Gewerbe nur 7,20 Euro, in Deutschland 37,00 Euro.“ Die Zahlen sind aus dem Jahr 2014, mittlerweile dürfte sich die Entwicklung weiter verschärft haben. Und der Trend ist nicht mehr umkehrbar: Was weg ist, ist weg und kommt nie wieder.

Doch die IG Metall will davon nichts wissen. Sie glaubt die gute Stimmung vieler Bürger nutzen zu können: Bei den meisten stimmt die Haushaltskasse, die Beschäftigung ist robust, der Konsum brummt. Bloß nutzt das der Metall- und Elektroindustrie wenig, weil sie zu 80 Prozent Investitionsgüter herstellt. Die Bundesbürger kaufen nun mal keine Kräne, Windräder oder Werkzeugmaschinen.

Kein Zweifel: Durch ihren blinden Höhenflug zur Unzeit verschärft die IG Metall die Krise und riskiert den Absturz vieler Unternehmen. Stattdessen sind jetzt Vorsicht und Besonnenheit geboten. „Die Gewerkschaft sollte rasch auf den Boden der harten Tatsachen zurückkehren“, so Thomas Lambusch in den Kieler Nachrichten. Die IG-Metall-eigene Rechenformel – gesamtwirtschaftliche Produktivität plus Inflation – könnte dabei helfen: Danach dürften nur maximal 0,7 Prozent Entgeltsteigerung gefordert werden.

Bei den Forderungsübergaben der IG Metall vor den Werkstoren von Dräger in Lübeck oder in den Nordmetall-Geschäftsstellen Bremerhaven und Emden machten die NORDMETALL-Vertreter ihre Argumentation unmissverständlich klar. Zum Auftakt der Tarifverhandlungen morgen in Oldenburg werden sie insistieren. Gerade an der Küste weiß man schließlich, dass nicht nur Höhenflüge meist bitter enden. Auch in überfischten Meeren lässt sich kein Fang mehr machen und die Regeneration der Bestände kann Jahrzehnte dauern.