10.6.14: Einem Drittel der Metall-Arbeitgeber mangelt es an Fachkräften

Die norddeutsche Metall- und Elektroindustrie klagt über einen Mangel an Fachkräften und Nachwuchs. Mehr als jedes dritte Unternehmen sieht sich mit einem zu knappen Angebot an qualifizierten Mitarbeitern und geeigneten Auszubildenden konfrontiert. Das ergab eine Sonderauswertung der aktuellen Konjunkturumfrage von Nordmetall, AGV Nord und fünf weiteren Arbeitgeberverbänden.

32 Prozent der insgesamt 255 befragten Unternehmen bezeichnen das Fachkräfteangebot als „unbefriedigend“, 7 Prozent sogar als schlecht. Für 52 Prozent ist die Situation am Arbeitsmarkt noch befriedigend. Nur 9 Prozent sprechen von einer guten Verfügbarkeit an Fachkräften.

Ähnlich das Bild am Ausbildungsmarkt: 29 Prozent sind unzufrieden mit der dem Angebot an Bewerbern, 7 Prozent bezeichnen es sogar als schlecht. Die Mehrheit ist mit den verfügbarem Nachwuchs noch zufrieden. 9 Prozent bezeichnen die Lage als gut.

Stärkere Unterschiede treten zwischen den verschiedenen Regionen Norddeutschlands auf. Während die Unternehmen in Bremen noch vergleichsweise gut Fachkräfte finden, fehlen sie in Hamburg vermehrt. Die größte Azubi-Lücke weist Mecklenburg-Vorpommern auf. Hier klagen sogar 54 Prozent der Unternehmen über zu wenig geeignete Bewerber für Ausbildungsplätze.

Auch die Betriebsgröße spielt für die Bewertung des Arbeits- und Ausbildungsmarktes eine Rolle. Während fast zwei Drittel der Unternehmen ab 300 Mitarbeitern genügend Fachkräfte bekommen, tun sich bei den kleineren Unternehmen 45 Prozent schwerer mit der Rekrutierung.

„Der Fachkräftemangel kommt in immer mehr Unternehmen und Regionen an, die sich bisher noch gut versorgt sahen. Umso unbegreiflicher ist das Rentenpaket der Bundesregierung, das voll leistungsfähige und hochqualifizierte Mitarbeiter vorzeitig nach Hause schicken will“, so Nordmetall-Hauptgeschäftsführer Nico Fickinger.

Um dem Fachkräftemangel vorzubeugen, müssten Unternehmen künftig verstärkt auch auf solche Bewerber zurückgreifen, die erst auf den zweiten Blick überzeugen, so Fickinger. Nordmetall finanziere dazu seit fünf Jahren das Programm „Nordchance“, mit dem schwächeren Schulabgängern eine Brücke in eine technische Ausbildung gebaut wird. Im letzten „Nordchance“-Durchgang konnten mehr als 89 Prozent der Jugendlichen aus der anfänglichen Orientierungsphase in ein Betriebspraktikum vermittelt werden. Davon wurden 77 Prozent in eine reguläre Ausbildung übernommen. „Das sind Werte, die sich sehen lassen können. Sie unterstreichen nicht nur das große gesellschaftliche Engagement unserer Unternehmen, die das Projekt jedes Jahr mit bis zu 600.000 Euro finanzieren, sondern zeigen auch die erfolgreiche Wirkung unserer Programme“, sagte der Nordmetall-Hauptgeschäftsführer.

Der Verband sieht noch ein unausgeschöpftes Potenzial an Schülern mit Interesse an MINT-Themen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik), die man langfristig an die Metall- und Elektroindustrie binden könne.
Ebenso wichtig sei es, die Abbrecherquoten in Ingenieurs-Studiengängen zu senken. „Wenn die Hälfte der Studienanfänger wieder aufgibt, ist das nicht nur demotivierend für die Betroffenen, sondern auch volkswirtschaftliche Verschwendung", so Fickinger. Mehrere Projekte des Verbandes und seiner Stiftungen im ganzen Norden arbeiten hier an Verbesserungen, zum Beispiel das Projekt „startIng.“ an der FH Kiel.

Insgesamt wirke Nordmetall dem Fachkräftemangel mit einem umfassenden Paket an Maßnahmen entgegen. Wer sich einmal für die M+E-Industrie entscheide, dem winke eine attraktive Vergütung, sagte Fickinger: „Mit durchschnittlichen 50.000 Euro Jahresentgelt rangieren die Metaller an der Spitze in Deutschland. Auch die Azubis bekommen in tarifgebundenen Unternehmen schon ab dem ersten Lehrjahr über 900 Euro. Das ist gutes Geld für gute Arbeit.“

Die „M+E-Arbeitgeber im Norden“ fragen ihre Mitgliedsunternehmen halbjährlich nach ihrer aktuellen Geschäftslage und den Zukunftserwartungen – dieses Mal auch nach der Einschätzung des Arbeits- und Ausbildungsmarktes. In diesem Frühjahr beteiligten sich mit 255 Unternehmen mehr denn je an der Umfrage. Sie repräsentieren gut 108.000 Beschäftigte.