24.6.16: Brexit: EU darf jetzt nicht in Schockstarre verfallen – Reformen sind nötig

Nach dem Votum für einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union („Brexit“) darf die EU nicht in Schockstarre verfallen. Das fordert Dr. Nico Fickinger, Hauptgeschäftsführer des norddeutschen Arbeitgeberverbandes der Metall- und Elektroindustrie NORDMETALL.

Die EU darf jetzt weder in Schockstarre verfallen noch diese Entscheidung der Briten als Betriebsunfall werten und unbeeindruckt zur Tagesordnung übergehen. Der bedauerliche Austritt der Briten muss stattdessen den berechtigten Teil der Kritik aufgreifen und Anstoß für einen Reformprozess sein, der mehr Marktwirtschaft, Subsidiarität und Wettbewerb zum Ziel hat. Nicht eine stärkere Vergemeinschaftung, Bürokratisierung und Zentralisierung helfen Europa, sondern die Besinnung auf seine freiheitlichen Traditionen“, sagte Fickinger.   

„Grundsätzlich zeigt sich, welche verheerenden Ergebnisse demagogisch angeheizte Volksabstimmungen haben können, für deren negative Folgen am Ende niemand mehr haftbar gemacht werden kann. Daher müssen wir die parlamentarische Demokratie stärken und nicht die direkte, die sehr viel stimmungsanfälliger ist“, so der NORDMETALL-Hauptgeschäftsführer weiter.  

Für die nun beginnenden Austrittsverhandlungen sollte eine konsequente Haltung gelten, um mögliche Dominoeffekte zu verhindern: „Europa muss deutlich machen, was alles nicht mehr geht, wenn man den Club verlässt. Die EU ist keine Beute-, sondern eine Solidargemeinschaft, deren Vorteile für Nicht-Mitglieder wegfallen müssen.“  

NORDMETALL hat vor dem Brexit gemeinsam mit dem Schwester­verband AGV NORD eine repräsentative Umfrage unter seinen Mitgliedsunternehmen durchgeführt: Gut 80 % befürchten infolge des Brexit eine Schwächung der EU. 76% rechnen mit einer Beförderung weiterer Austritte. Auch der wirtschaftliche Schaden für die norddeutsche Metall- und Elektroindustrie wird als erheblich eingeschätzt: 63 % der Firmen sehen ihre eigenen Geschäfte mindestens teilweise in Mitleidenschaft gezogen, 8 % sogar sehr stark.  

60 % der befragten Unternehmen rechnen nach dem Brexit mit Beeinträchtigungen des Handels durch höhere Zölle oder Logistik-Hürden. Insgesamt verkaufen 50 % ihre Produkte ins Vereinigte Königreich, immerhin gut 30 % kaufen dort ein. Ein Drittel erzielt derzeit mehr als 5 % des Umsatzes mit Geschäften in Großbritannien.  

NORDMETALL und der AGV NORD organisieren rund 700 Unternehmen mit 150.000 Beschäftigten in Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Bremen und dem nordwestlichen Niedersachsen. An der repräsentativen Umfrage nahmen 67 ausgewählte Unternehmen teil.