8.7.14: Arbeit nicht weiter verknappen und noch teurer machen

Die Nordmetall-Arbeitgeber lehnen die von der IG Metall geforderte Bildungsteilzeit als unnötig, ungerecht und kontraproduktiv ab. Selbstverständlich habe die Qualifizierung ihrer Mitarbeiter für die Metall- und Elektro-Arbeitgeber in Norddeutschland eine hohe Priorität. Doch zusätzliche Ansprüche auf Teilzeit – womöglich sogar noch mit Lohnausgleich – führten in die völlig falsche Richtung, warnte Nordmetall-Präsident Thomas Lambusch. „Wir dürfen die Arbeit nicht noch weiter verknappen und noch teurer machen. Außerdem würde nach dem IG Metall-Modell letztlich der Schichtarbeiter dem Ingenieur das Master-Studium bezahlen – ich weiß nicht, ob das im Sinne des Erfinders ist.“

„Wir haben seit langem sehr erfolgreiche Teilzeit-Regelungen in den Betrieben“, so der Nordmetall-Präsident weiter. „Hier gehen die Arbeitgeber auf die persönlichen Bedürfnisse der einzelnen Beschäftigten ein und vereinbaren individuelle Lösungen. Noch passgenauer und gerechter geht es gar nicht.“ Aus- und Weiterbildung sei täglich gelebter Alltag in den Betrieben der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie. „Anders wären unsere Erfolge auf dem Weltmarkt gar nicht möglich.“

Für eine Neuregelung der Altersteilzeit zeigte sich Lambusch hingegen offen. Weil der geltende Tarifvertrag im nächsten Frühjahr ausläuft, wollen Arbeitgeber und IG Metall in den kommenden Wochen und Monaten über eine Anschlussregelung verhandeln. Diese müsse aber der demographischen Entwicklung Rechnung tragen, mahnte Lambusch. Viele Unternehmen der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie hätten bereits heute Probleme, gut qualifizierte Mitarbeiter zu finden. „Die Rente mit 63 hat schon ein erstes Loch in unsere Personalplanung gerissen“, erklärte Lambusch. „Wenn wir jetzt mit der Altersteilzeit noch eine weitere Schleuse für den vorzeitigen Ausstieg öffnen, wird es echt eng. Langfristig werden wir eher mehr und flexibler arbeiten müssen“, betonte der Nordmetall-Verhandlungsführer. Das entspreche übrigens auch den Wünschen der Beschäftigten. Nach einer repräsentativen Allensbach-Umfrage würden 61 Prozent der Metall- und Elektro-Beschäftigten lieber länger als 35 Stunden arbeiten und nicht kürzer.