26.2.15: Abschluss im Norden: Keine Zwänge für den Arbeitgeber

In der vierten Tarifverhandlung für die norddeutsche Metall- und Elektroindustrie haben sich Nordmetall-Arbeitgeber und IG Metall Küste heute in Hamburg auf einen Tarifabschluss geeinigt. Danach erhalten die rund 140.000 Beschäftigten ein deutliches Reallohnplus:

Ab 1. April werden die Entgelte um 3,4 Prozent erhöht, hinzu kommt eine Einmalzahlung von 150 Euro für die Monate Januar bis März. „Das war der Maximalkompromiss. Dafür haben wir aber unsere Kernziele bei der Altersteilzeit und der Weiterbildung erreicht und einen Arbeitskampf verhindert“, so Nordmetall-Verhandlungsführer Thomas Lambusch.

Der Entgelt-Tarifvertrag hat eine Laufzeit bis 31. März 2016. Die Regelungen zu Weiterbildung und Altersteilzeit sind länger gültig, nämlich bis Ende 2019 bzw. Ende 2021. „Die Altersteilzeit wird einfacher und demografiegerechter, aber nicht teurer – und bei der Bildung gibt es keine unnötigen Zwänge für den Arbeitgeber“, so Lambusch. Die immer schon hochwertige Weiterbildung in der Metall- und Elektroindustrie komme auch künftig ohne tarifliche Ansprüche auf Freistellung und Zuschüsse und ohne mehr Mitbestimmung des Betriebsrats aus. „Damit bleibt die Hoheit des Arbeitgebers über die Personalentwicklung gewahrt“, so Lambusch. Der schon früher gültige, aber von der IG Metall gekündigte „Tarifvertrag Qualifizierung“ wurde wieder in Kraft gesetzt. Eine neue Regel gibt Beschäftigten die Möglichkeit, mit Zustimmung des Arbeitgebers Arbeitszeit oder Entgelt anzusparen und damit eine Bildungsphase selbst zu finanzieren.

Lambusch warnte die IG Metall davor, Tarifrunden immer öfter mit qualitativen Themen zu überfrachten und bei der Entgeltforderung zu überziehen. Sie treibe damit Geld ein, das von vielen Unternehmen längst in anderen Teilen der Welt verdient werde. Das vergleichsweise hohe Lohnplus in diesem Jahr sei noch nicht erwirtschaftet. „Die IG Metall hat mit diesem Abschluss eine Wette auf die Zukunft zu verantworten. Wir werden sehen, wie wettbewerbsfähig die Arbeitsplätze hier im Norden bleiben und ob die neue Standort-Debatte weiter Fahrt aufnimmt“, so Lambusch.