9.6.17: Auslegung einer Stellenausschreibung im Hinblick auf Indizien für Altersdiskriminierung

BAG: Eine Stellenausschreibung mit mittelbar an das Alter des Bewerbers anknüpfenden Begriffen begründet nicht zwangsläufig Benachteiligung eines Bewerbers wegen seines Alters.

Eine Stellenausschreibung verstößt nach Ansicht des Bundesarbeitsgerichts nicht schon dann gegen § 11 AGG, wenn sie mittelbar an das Alter des Bewerbers anknüpfende Begriffe wie „erste Berufserfahrung“ und „Berufsanfänger“ enthält, die Auslegung der Stellenausschreibung aber ergibt, dass mit ihr nicht nur Personen eines bestimmten Lebensalters angesprochen und andere ausgeschlossen werden sollen. Im Streitfall hatte der Arbeitgeber in der Stellenausschreibung aufgenommen, dass er einen Bewerber „mit ersten einschlägigen Berufserfahrungen“ sucht, gleichzeitig aber auch „Berufsanfänger, die in den genannten Rechtsgebieten ihre Interessenschwerpunkte wiedererkennen, willkommen sind“. Die Anforderung bereits vorhandener erster einschlägiger Berufserfahrung in den genannten Rechtsgebieten sei – so das Bundesarbeitsgericht – altersunabhängig. Soweit darüber hinaus mit der Stellenausschreibung auch Berufsanfänger angesprochen worden seien, die naturgemäß noch keine entsprechende Berufserfahrung aufweisen könnten, liege darin allenfalls eine Öffnung des Bewerberverfahrens auch für Jüngere und damit keine Benachteiligung Älterer.  

Auch wenn sich das Bundesarbeitsgericht im Rahmen seiner Auslegung der Stellenausschreibung gegen eine Altersdiskriminierung ausspricht, kann für die Praxis nur empfohlen werden, sich nicht auf unberechenbare Auslegungen von Formulierungen in Stellenausschreibungen zu verlassen, sondern Begriffe wie „Berufsanfänger“ oder „erste Berufserfahrung“ oder „junges Team“ gänzlich zu vermeiden. 

BAG, Urteil vom 26.01.2017 - 8 AZR 73/16 -