9.1.18: „Einlenken statt eskalieren“

Die Metallarbeitgeber im Norden haben die Gewerkschaft vor einer Ausweitung des Tarifkonflikts gewarnt.

„Mit den illegalen Warnstreiks begibt sich die IG Metall auf einen gefährlichen Kurs, der auch für die Arbeitnehmer nicht ohne Risiken ist“, warnte der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, NORDMETALL-Präsident Thomas Lambusch. „Wir können einen rechtswidrigen Tarifvertrag nicht unterschreiben, aber die Arbeitgeber haben kein Interesse, den Tarifkonflikt gerichtlich entscheiden zu lassen. Gerichtliche Auseinandersetzungen sind immer nur ultima ratio. Damit gehen wir verantwortungsvoll um, erwarten aber auch von der IG Metall, die Streikmaßnahmen nicht auszuweiten. Einlenken statt eskalieren ist daher das Gebot der Stunde.“ Doch statt die Forderung nach einem Teilentgeltausgleich zurückzuziehen und sich auf ihre Kernpunkte Entgelt und Rückkehrrecht in Vollzeit zu konzentrieren, verursache die IG Metall mit den Warnstreiks spürbare Produktionsausfälle und schädige so viele Unternehmen im Norden. „Für diese Maximalposition habe ich keinerlei Verständnis“, so Lambusch. „Die Gewerkschaft darf sich nicht wundern, wenn immer mehr Unternehmen den Nutzen des Flächentarifvertrages in Frage stellen und einen Verbandsaustritt erwägen.“ 

Die Arbeitgeber hätten sich mit ihrem Angebot – einem Lohnplus von 2 Prozent ab 1. April plus 200 Euro Einmalbetrag für die Monate Januar bis März 2018 – bereits spürbar auf die Gewerkschaft zubewegt. Ebenso hätten sie deutlich gemacht, dass man über eine befristete Arbeitszeit-Absenkung jedenfalls dann reden könne, wenn die IG Metall im Gegenzug bereit sei, bei betrieblichem Bedarf sowie auf freiwilliger Basis vorübergehend auch längere individuelle oder kollektive Arbeitszeiten zuzulassen. 

„Auf unsere Vorschläge haben wir allerdings von der Gewerkschaft noch keine konstruktive Antwort erhalten“, rügte Lambusch. „Es kann doch nicht sein, dass eine Seite nur für das Fordern und die andere nur für das Erfüllen zuständig ist. Ein tragfähiger Kompromiss setzt voraus, dass beide Seiten Zugeständnisse machen.“ Gerade wer echte Arbeitszeit-Souveränität wolle, dürfe seine Mitglieder nicht in eine Einbahnstraße zwingen und ihnen Zusatzverdienst vorenthalten. „Wir brauchen Flexibilität nach unten wie nach oben, um die Bedürfnisse der Mitarbeiter ebenso wie die Bedarfe der Betriebe und Kunden zu erfüllen.“

Rigide seien die Arbeitgeber nur beim Teilentgeltausgleich – und müssten dies auch sein, nicht bloß aus juristischen Gründen: „Wir müssen das Grundprinzip einhalten, dass nur geleistete Arbeit auch vergütet wird“, stellte Lambusch klar. Im Übrigen gebe es bereits eine Vielzahl an gesetzlichen Regelungen und Fördermöglichkeiten, um Erziehende oder Pflegende zu unterstützen. „Einen Handlungsbedarf für die Tarifparteien sehe ich hier nicht – zumal selbst in der Beschäftigtenumfrage der IG Metall weniger als vier Prozent der Mitarbeiter angegeben haben, sie könnten sich eine Auszeit für Erziehung oder Pflege finanziell nicht leisten“, betont Lambusch. „Sozialleistungen sind Aufgabe des Staates. Wir Arbeitgeber haben gemeinsam mit den Gewerkschaften dafür zu sorgen, dass die Betriebe wettbewerbsfähig und die Arbeitsplätze zukunftsfest bleiben.“ Deswegen dürften trotz der guten Lage die Tarifparteien beim Entgelt auch nicht überziehen, sondern müssten die Branche beizeiten für den bevorstehenden Strukturwandel durch die Digitalisierung wappnen.