8.11.16: "Vernunft, Würde und Zuversicht"

Rund 500 Politik- und Wirtschaftsentscheider aus dem ganzen Norden trafen sich zum 39. Martinsgansessen von NORDMETALL in Hamburg. 

Beim Traditionsabend der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie im Congress Centrum war diesmal einiges anders als in den fast 40 Jahren zuvor.

NORDMETALL-Präsident Thomas Lambusch wies in seiner Begrüßungsrede (hier als Video) gleich zu Beginn darauf hin: Anders als seit den späten siebziger Jahren üblich, würden seinen Ausführungen nicht die eines weiteren Festredners folgen. Stattdessen könnten die rund 500 Festgäste unmittelbar danach mit dem Auftischen des krossen Hauptgangs rechnen. Freundliches Raunen und spontaner Beifall im gut gefüllten CCH Saal 3, wo mancher saß, der in früheren Jahren den exzellenten Vorträgen mit leise knurrendem Magen gefolgt war - und sich nun freute, dass nicht nur sein Geist rasch Nahrung bekam…

Der intellektuelle Hunger wurde bestens befriedigt: Dieses Mal waren gleich drei norddeutsche Spitzenpolitiker zur Talkrunde (hier als Video) für den späteren Abend geladen. Und Präsident Lambusch nutzte die Gelegenheit, um ihnen und den übrigen rund 500 Gästen den Blick der norddeutschen M+E-Arbeitgeber auf die Zeitläufte des Herbstes 2016 vorzutragen, ausgehend von der validen Wertetrias eines Königsberger Aufklärers des frühen 19. Jahrhunderts: „Vernunft, Würde und Zuversicht“ habe der Jurist und Theologe Georg Heinrich Diestel schon vor gut 200 Jahren als die Grundlagen verantwortlichen Handelns definiert. Die Arbeitgeber der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie fühlten sich diesen Werten verpflichtet. Als vernünftig habe sich etwa der Tarifabschluss des Frühjahrs erwiesen: Er biete mit ganzen 21 Monaten Laufzeit und dem Wiedereinstieg in die Differenzierung für Unternehmen in ökonomisch schwieriger Lage eine gute Grundlage für neue Chancen. Diese Differenzierungsmöglichkeiten müssten jetzt auch angewandt und nicht blockiert werden. „Ich bin zuversichtlich, dass die Gewerkschaft dieses Instrument mit uns gemeinsam noch besser bewirbt“, rief Lambusch der IG Metall-Tarifsekretärin Stephanie Schmoliner zu, die mit weiteren Gewerkschaftern unter den Gästen weilte.

Mehr Würde forderte der NORDMETALL-Präsident in der politischen Debatte ein: „Was wir in den letzten Monaten vor allem von rechts, teilweise aber auch von links, an würdelosem Verhalten gegenüber dem Bundespräsidenten, der Bundeskanzlerin und gegenüber engagierten Politikern in Wahlkämpfen erlebt haben, das ist völlig inakzeptabel“, sagte Lambusch unter Beifall. Der Respekt vor der Würde des anderen müsste gerade in der Flüchtlingsdebatte oder in Diskussionen zur Arbeits- und Sozialpolitik gelten. Lambusch berichtete dazu von den Erfolgen der Projekte NORDCHANCE und „M+E hilft“ sowie von einer weiteren Initiative, in der NORDMETALL gemeinsam mit der IG Metall für  rund 200.000 Euro Einstiegschancen in Ausbildung für besonders förderbedürftige Jugendliche schafft.

Mit Zuversicht gehe die norddeutsche M+E-Industrie in das nächste Jahr, was nicht nur erste Zahlen der Herbst-Konjunkturumfrage belegen würden. Auch die Durchsetzung von Ceta zeige, dass es für TTIP noch eine Chance gebe, so Thomas Lambusch. Derart positiv gestimmt waren die Grundlagen gelegt für die folgende lebendige Talkrunde und viele gute Gespräche im CCH bis spät in die Nacht der 39. NORDMETALL-Martinsgans.