7.6.15: Umfrage zum Brexit: Norddeutschlands M+E-Industrie fürchtet um EU-Errungenschaften

Ein Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union („Brexit“) hätte gravierende politische Folgen: 80% der Mitgliedsunternehmen des Arbeitgeberverbands NORDMETALL befürchten infolge eines Brexit eine Schwächung der EU, 76% rechnen mit einer Beförderung weiterer Austritte.

Auch der wirtschaftliche Schaden für die norddeutsche Metall- und Elektroindustrie wäre erheblich: 63% der Firmen sähen ihre eigenen Geschäfte mindestens teilweise in Mitleidenschaft gezogen, 8% sogar sehr stark.

Das ist das zentrale Ergebnis einer Umfrage, die NORDMETALL – gemeinsam mit dem Schwesterverband AGV NORD – zu seiner heute in Hamburg stattfindenden Mitgliederversammlung vorlegt. Beide Verbände organisieren rund 700 Unternehmen mit 150.000 Beschäftigten in Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Bremen und dem nordwestlichen Niedersachsen. 

Sollten die Briten am 23. Juni für einen Ausstieg aus der EU votieren, rechnen jeweils mehr als 60% der befragten Unternehmen mit Beeinträchtigungen des Handels durch höhere Zölle oder Logistik-Hürden. Insgesamt verkaufen 50% der befragten Betriebe ihre Produkte ins Vereinigte Königreich, immerhin gut 30% kaufen dort ein. Ein Drittel der befragten Unternehmen erzielt derzeit mehr als 5% ihres Umsatzes mit Geschäften in Großbritannien. 

Thomas Lambusch, Präsident von Nordmetall, kommentiert das Ergebnis der Umfrage mit Sorge: „Bei einem Brexit ginge Deutschland ein wichtiger Partner in der EU verloren. Ohne das Gewicht der Briten würde das marktwirtschaftlich orientierte Lager in der EU geschwächt, und die stärker staatswirtschaftlich geprägten Länder erhielten Auftrieb. Das ist ganz und gar nicht im Interesse im Interesse der norddeutschen Industrie.“  

Innerhalb der EU – dem größten Absatzmarkt der M+E-Industrie – habe Frankreich das mit Abstand größte Gewicht. Und die wichtigsten Kunden der deutschen M+E-Industrie jenseits der EU seien nach wie vor China und weitere asiatische Länder sowie zunehmend auch die USA. Daher bereiteten ihm eher die mittel- und langfristigen Folgen eines Brexit Sorgen, sagte Lambusch: „Unsere Unternehmen befürchten eine Sogwirkung, die neue Handelshürden sowie zunehmende nationalstaatliche Abschottung befördert und am Ende den Bestand der EU in Frage stellt. Das wäre für unsere exportorientierte Metall- und Elektroindustrie fatal.“ 

Die gesamte repräsentative Umfrage, an der 67 ausgewählte Unternehmen von NORDMETALL und dem AGV Nord teilnahmen, finden Sie unten.

Zur NORDMETALL-Mitgliederversammlung kommen heute Mittag Vertreter der 250 Mitgliedsunternehmen bei Philips in Hamburg zusammen und beraten unter anderem abschließend über die Einigung in der norddeutschen Tarifrunde 2016 in der Metall- und Elektroindustrie.