5.4.17: Umfrage und Weiterbildungstagung: Chancen der Industrie 4.0 nutzen

Industrie 4.0 wird autonome Produktionsstraßen wie die direkte Kommunikation zwischen Maschine und Werkstück ermöglichen. Die Chancen, die daraus für unsere M+E-Industrie erwachsen, sind groß. Die Risiken für Unternehmen, die die neue Entwicklung ignorieren, allerdings auch.

Das belegt eine aktuelle Umfrage unter den norddeutschen M+E-Unternehmen: 78 Prozent der befragten Firmen gehen davon aus, dass „Unternehmen, die die Chancen der neuen Technologien nicht nutzen, am Markt scheitern werden.“ Dabei bewerten die Manager die eigene Position auf dem Weg zur Industrie 4.0 durchaus selbstkritisch: ebenfalls 78 Prozent sagen, dass sie das für Industrie 4.0 notwendige Know-how noch nicht aufgebaut haben. 

So herrscht beispielsweise großer Bedarf an Weiterbildung und Qualifizierung, denn ohne hinreichend befähigte Mitarbeiter auf allen Hierarchiestufen kann der Wandel zur Industrie 4.0. nicht gelingen. Entsprechend steht für drei von vier Befragungsteilnehmern die Förderung des lebenslangen Lernens der Mitarbeiter ganz oben auf ihrer Prioritätenliste, direkt gefolgt von einem Wandel der Führungskultur. Hilfe erwarten die Unternehmen insbesondere von Verbänden und deren Bildungspartnern. Im Fokus stehen dabei Netzwerkveranstaltungen, fachspezifische Arbeitskreise und die Begleitung regionaler, nationaler und internationaler Projekte, die sich mit der Entwicklung neuer Lösungen und der Verbreitung gelungener Praxisbeispiele befassen. 

Die sieben Partner der nordbildung, dem Bildungsverbund der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie, haben diese Bedürfnisse gemeinsam mit den Arbeitgeberverbänden NORDMETALL und AGV NORD in konkrete Weiterbildungs- und Netzwerkangebote umgesetzt. Den Auftakt macht der „Treffpunkt nordbildung“ zum Thema „Lernen und kommunizieren in der Arbeit 4.0. – Beispiele von Praktikern für Praktiker“, organisiert vom Bildungswerk der Wirtschaft Hamburg e.V, der Technischen Akademie Nord e.V. und den beiden Verbänden. 

„Wir haben in den letzten beiden Jahren viel dafür getan, um die Unternehmen bei der Orientierung innerhalb der großen Wolke Digitalisierung zu unterstützen. Im zweiten Schritt geht es nun darum, innovative und praktische Lösungen zu finden, weiter zu entwickeln und zu verbreiten“, so Peter Golinski, NORDMETALL-Geschäftsführer für Bildung und Arbeitsmarkt. 

„Allein mit Lehrbüchern aus Papier und Lernen im Klassenverband zu festgelegten Zeiten können Sie die heutigen Weiterbildungsherausforderungen nicht mehr meistern“, erklärt Dietrich Weidmann, Leiter eines Informations- und Trainingscenters der Siemens AG. „Es ist wichtig, dass wir die Lernenden durch viel Praxis möglichst nah an den täglichen Arbeitsprozessen schulen. Und zwar konkret dann, wenn der Bedarf entsteht.“„Außerdem macht Lernen mit aktuellen Technologien viel mehr Spaß“ ergänzt Josef Buschbacher, Inhaber der Corporate Learning and Change GmbH. „Smartphones können sich z.B. hervorragend dazu eignen, um Lerninhalte spielerisch zu vermitteln, ohne dass sie dabei an Gehalt verlieren“. 

Beim Konsumgüterkonzern Beiersdorf steigern die Ausbildungsverantwortlichen ihre digitale Fitness. Die digitale Schere zwischen den immer jungen Auszubildenden und Ausbildern soll minimiert werden. „Auf unserer inzwischen zweijährigen digitalen Reise haben wir viel Wissen aufgebaut und wertvolle Erfahrungen gesammelt. Ob in der Kommunikation, beim Mix der Lehrmethoden oder im Ausbildungsmarketing – überall sind wir auch digital unterwegs und holen unser Zielgruppe dort ab, wo sie ist“ so Daniela Peeters-Bendix, Leiterin Ausbildung. „Und die Azubis werden bestmöglich auf die Anforderungen der Arbeitsprozesse 4.0 vorbereitet.“