30.1.20: Zu den aktuellen Arbeitsmarktzahlen - Politik muss Rezession abfedern

Die Lage der deutschen Metall- und Elektroindustrie verschlechtert sich weiter, auch im Norden sind deutliche Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt spürbar.

„Einige Industrieunternehmen mussten bereits Kurzarbeit anmelden“, berichtet Dr. Nico Fickinger, Hauptgeschäftsführer der Arbeitgeberverbände NORDMETALL und AGV NORD. Die beiden Verbände vertreten zusammen rund 670 Unternehmen mit mehr als 160.000 Beschäftigten aus der Metall- und Elektroindustrie in Norddeutschland.

Sie fordern von der Politik, die Auswirkungen der Rezession umfassend zu berücksichtigen. „Es besteht die große Gefahr, dass die Konjunktur nicht nur eine kurzfristige Delle erhalten hat, sondern dass der Einbruch langfristig wirkt: Die grundsätzliche Veränderung in der Automobilindustrie, der digitale Strukturwandel oder der Brexit werden nicht kurzfristig bewältigt werden. Deswegen brauchen wir von der Politik unbedingt schnell ein festes Sicherungsnetz, das den Absturz abfedert“, fordert Nico Fickinger. Die gestern in Berlin beschlossene Verlängerung der Kurzarbeit auf zwei Jahre befürwortet Fickinger grundsätzlich als wichtigen ersten Schritt. „Den verlängerten Kurzarbeitergeld-Bezug jedoch an einen Zwang zur Weiterbildung zu knüpfen, wird der unterschiedlichen Lage in den Betrieben nicht gerecht. Überall dort, wo es angebracht und sinnvoll ist, werden die Arbeitgeber Phasen der Kurzarbeit zur Qualifizierung nutzen. Aber manche Firmen sind personell schon gut aufgestellt und brauchen bloß ein längeres Konjunkturtal zu überbrücken. Andere sind gerade dabei, ihre Geschäftsmodelle zu ändern, und müssen erst noch ermitteln, welche Qualifikationen sie künftig überhaupt benötigen - da hilft es nichts, einfach ins Blaue hinein weiterzubilden“, erläutert der Arbeitgebervertreter. Allein die Metall- und Elektroindustrie investiere jedes Jahr mehr als vier Milliarden Euro in Weiterbildung ihrer Beschäftigten.