2.2.18: Sozialpartner-Rente als zeitgemäße Altersvorsorge bewertet

Eine Befragung des Versorgungswerks MetallRente aus Anlass der Einführung der sog. „Sozialpartner-Modells“ durch das BRSG zeigt, wie die Deutschen zur betrieblichen Altersversorgung stehen und welches Vertrauen sie in die „Sozialpartner-Rente“ haben.

Hinter dem Begriff des „Sozialpartnermodells“ verbirgt sich eine neue Form der betrieblichen Altersvorsorge, bei der die Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften (Sozialpartner) für ihre jeweilige Branche über Konditionen und Partner in der betrieblichen Altersversorgung der Unternehmen entscheiden. Das am 1.1.2018 in Kraft getretene Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) hat den Sozialpartnern viel Spielraum eingeräumt, um branchenweit attraktive Angebote für die betriebliche Altersvorsorge als sog. Sozialpartner-Rente zu unterbreiten.

Die repräsentative Umfrage des Instituts Kantar Public (TNS Infratest) von 1.000 Privatpersonen ab 14 Jahren kam zu folgenden Ergebnissen:

  • bei der Altersvorsorge genießen Arbeitgeber höchstes Vertrauen
  • ein stärkeres Engagement der Sozialpartner im Bereich der betrieblichen Alterssicherung wird ausdrücklich gewünscht
  • es gibt eine klare Mehrheit für die automatische Einbeziehung der Beschäftigten in eine betriebliche Altersvorsorge
  • der Arbeitgeberzuschuss macht die Betriebsrente noch attraktiver
  • die Aussicht auf eine höhere Rentenleistung - auch bei geringen Schwankungen - wird als attraktiver empfunden als die Niedrigzins-Garantie
  • die grundsätzliche Entscheidung für Renditechancen liegt gleich auf mit der für niedrig verzinste Garantien

Diese Ergebnisse deuten auf „gute Startbedingungen“ für die Sozialpartner-Rente hin.

„Die Tarifparteien genießen ein enormes Vertrauen und haben die einmalige Chance, zu den Wegbereitern einer guten Rentenpolitik gerade für die Jungen zu werden“, folgert Heribert Karch, Geschäftsführer von MetallRente. Denn wenn es um die Altersvorsorge geht, vertrauen die meisten Deutschen vor allem den Angeboten ihres Arbeitgebers. Für 56 % der Befragten schneiden deren Angebote sogar besser ab als die gesetzliche Rente, die von 48 % genannt wurde. An dritter Stelle mit 40 % stehen bereits gemeinsame Angebote von Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden.

Junge Menschen zwischen 14 und 29 Jahren sehen ihre Alterssicherung über die gesetzliche Rente noch skeptischer. 34 % der Befragten verlassen sich nicht mehr allein auf sie. Für diese Altersgruppe ist dagegen der Vertrauensvorschuss für Betriebsrentenangebote von ihrem Arbeitgeber (61 %) und den Tarifparteien (53%) besonders hoch. 83,7 % der Befragten würden ein stärkeres Engagement der Sozialpartner ausdrücklich begrüßen.

Doch auch zur Ausgestaltung einer neuen Sozialpartner-Rente haben die Deutschen eine Haltung: Immerhin 57,7 % befürworten einen Beitritts-Automatismus bei der betrieblichen Altersversorgung. „Opting-out ist ein international erprobtes Modell der automatischen Einbeziehung von Menschen in die Altersversorgung und ein wirksames Instrument für eine hohe Verbreitung der betrieblichen Altersversorgung.“ kommentiert Karch. Wird die automatische Altersvorsorge mit einem Arbeitgeberzuschuss kombiniert, stimmen sogar 81,5 % der Befragten dem Modell zu.

Ein Mentalitätswandel deutet sich an: 63 % der Befragten würden auch geringe Rentenschwankungen in Kauf nehmen, wenn der Abstand einer höheren Rente zur 0,9 %- Garantie deutlich genug ausfällt. Nur noch 37,6 % der Befragten halten auf direkte Nachfrage noch am klassischen Garantie-Denken fest und würden sich grundsätzlich für einen - selbst niedrigen - Garantiezins entscheiden. Dagegen votiert mit 37,1 % eine nahezu gleichstarke Gruppe ohne Wenn und Aber immer für die Aussicht auf eine deutlich höhere Rente ohne Garantien.

Heribert Karch sieht in den Befragungsergebnissen eine Bestätigung, dass sich alte Denkmuster bereits ändern: „Die Einstellung zur Rendite und Risiko sind offenbar in Bewegung, das Festhalten an versicherungstypischen Garantien viel geringer als vielfach angenommen. Das hat auch uns überrascht. Die Erkenntnis wächst, dass Garantien Rendite kosten und ihr Entfall eine sehr realistische Chance auf bessere Renten darstellt.“

Die neue Sozialpartner-Rente mache den Weg frei für eine zeitgemäße betriebliche Altersversorgung: Mit kollektiver Teilhabe am Produktivvermögen, z.B. durch Aktien mit Generationenausgleich und Risikomanagement könnten die Tarifparteien als Gewährsträger Sicherheit für ein Rentenversprechen schaffen, das begrenzbare Schwankungen zwar zulasse, dies aber auf erheblich höherem Niveau. Karchs Fazit: Der Weg sei frei für eine neue betriebliche Altersversorgung, die nicht auf teure Garantien, sondern auf kluge Instrumente und gute Renditechancen setze. Die Befragungsergebnisse zeigten aber auch, dass noch viel zu tun bleibe, um nachhaltig einen noch breiteren Bewusstseinswandel zu erreichen.

Unten zum Download die kompletten Studienergebnisse sowie Grafiken.