20.11.17: MINT-Herbstreport 2017: Wichtigste Befunde

Im Auftrag von BDA, BDI, Gesamtmetall und der Initiative "MINT Zukunft schaffen" erstellt das Institut der deutschen Wirtschaft Köln halbjährlich im Frühjahr und Herbst ein MINT-Reporting zu Angebot und Nachfrage auf dem MINT-Arbeitsmarkt sowie Kennzahlen zur MINT-Bildung.

Im Folgenden finden Sie die wichtigsten Befunde des Reports:

  1. Mit 290.900 fehlenden Fachkräften erreicht die MINT-Lücke einen neuen Rekordstand. Gegenüber dem Vorjahresmonat stieg sie um 42,9 % an. Der Anteil der nicht-akademischen Berufskategorien innerhalb der Lücke stieg in den letzten Jahren kontinuierlich und beträgt inzwischen 66 %. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass nur noch ein Drittel der Lücke auf den akademischen Bereich entfällt. Die zahlreichen auch wirtschaftsseitigen MINT-Initiativen haben in der Vergangenheit für eine deutliche Erhöhung der MINT-Studierendenzahl und perspektivisch damit auch der Absolventenzahl gesorgt.
  2. Ohne den Beitrag ausländischer Arbeitnehmer wäre die MINT-Lücke um 118.100 Fachkräfte höher und läge bei 409.000. Die Beschäftigung von ausländischen Arbeitnehmern ist mit einer höheren Dynamik gestiegen als die Beschäftigung von Deutschen. Inder sind gefolgt von Italienern, Franzosen, Spaniern und Chinesen die häufigsten ausländischen Nationalitäten unter den MINT-Akademikern.
  3. Aus der Flüchtlingsmigration kommen erste Impulse für MINT. Zwischen Ende 2012 und Anfang 2017 stieg die Zahl der Beschäftigten aus Eritrea, Irak, Afghanistan und Syrien in MINT-Berufen von rd. 2.700 auf etwa 10.100 an. Bis zum Jahr 2020 ergibt sich ein Potenzial von 27.600 bis 46.800 MINT-Beschäftigten durch die Flüchtlingsmigration.
  4. Die Ausländeranteile bei den MINT-Beschäftigten unterscheiden sich in den Bundesländern erheblich (Baden-Württemberg: 12,3 %; Sachsen-Anhalt: 2,3 %). Gleichwohl die Ausländeranteile auch in den neuen Bundesländern leicht gestiegen sind, ist deren geringe Attraktivität für ausländische Fachkräfte ein gravierendes Problem, insbesondere da der Anteil der Beschäftigten im Alter 55+ hier besonders groß ist. Die Zuwanderung über die Hochschulen durch die Schaffung zusätzlicher Kapazitäten für internationale Studierende ist ein mögliches Instrument, mehr Fachkräfte für die neuen Länder zu gewinnen.
  5. Sowohl beim Breitbandinternet als auch bei den Digitalisierungspatenten zeigt sich ein West-Ost-Gefälle. Spitzenreiter bei der Patentleistung sind Baden-Württemberg und Bayern. Dort wurden 69 % der Digitalisierungspatente angemeldet, auf die neuen Länder einschließlich Berlin entfallen lediglich 7 %. Auch bei der Verfügbarkeit von IT-Experten und der Ausbildungsleistung von Hochschulen im IT-Bereich sind große regionale Unterschiede mit einem West-Ost-Gefälle erkennbar. Insbesondere in den ländlichen Regionen muss der Glasfaser-Ausbau vorangetrieben werden. Über eine steuerliche F+E-Förderung sollten die Innovationsbemühungen insbesondere von KMU unterstützt werden. Die Hochschulen im Osten könnten über eine verstärkte Ausbildung von IT-Experten ihr Profil ausbauen.
  6. Der von OECD und KMK Mitte September 2017 verkündete Spitzenplatz der MINT-Bildung in Deutschland im internationalen Vergleich ist deutlich zu hinterfragen. Zwar ist der Anteil der MINT-Hochschulabsolventen hoch, allerdings erreicht Deutschland nur einen mittleren Platz innerhalb der OECD  bei der Zahl der MINT-Absolventen pro 1.000 Erwerbstätige. Für eine so stark auf MINT basierende Wirtschaftsstruktur ist dies ein zu geringer Wert.
  7. Von der OECD nicht thematisiert wurde die problematische Situation im Bereich der beruflichen MINT-Qualifikationen. Nur noch 18,8 % der 30- bis 34-Jährigen verfügen über eine berufliche MINT-Qualifikation (Facharbeiterin, Meister, Technikerin), 2005 lag der Wert noch bei 22,3 %. Hinzu kommen insbesondere mit Blick auf den digitalen Wandel in der Arbeitswelt nicht adäquat ausgestattete Berufsschulen sowie fehlende MINT-Lehrkräfte in Schulen und Berufsschulen. Die digitale Bildung an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen sollte in den nächsten Jahren über den DigitalPakt Schule von Bund und Ländern einen deutlichen Schub erhalten. Entscheidend für eine Stärkung der Berufsbildung und damit die Wahrung einer Balance zwischen akademischer und beruflicher Bildung ist darüber hinaus eine systematische Berufsorientierung an allen Schulformen, auch am Gymnasium.

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