19.6.19: Arbeitszeit Ost: „Gewerkschaft sollte zu Maß und Mitte zurückkehren“

Angesichts der heutigen Unterschriftenaktion zur Arbeitszeit Ost hat NORDMETALL-Präsident Thomas Lambusch die IG Metall aufgefordert, in den laufenden Gesprächen mit den ostdeutschen M+E-Arbeitgebern über die Arbeitsbedingungen in den neuen Ländern Maß und Mitte im Auge zu behalten. 

„Schon jetzt liegen die Einkommen der M+E-Beschäftigten in Mecklenburg-Vorpommern weit über denen der Mitarbeiter anderer Branchen hier im Land. Wenn die Stundenentgelte in unserer Branche weiter erhöht werden sollen, muss entweder die Produktivität deutlich steigen, oder die höheren Kosten müssen anderweitig kompensiert werden. Sonst sind die Standorte von Gadebusch bis Ueckermünde nur sehr schwer zu halten. Angesichts des Fachkräftemangels würde auch eine undifferenzierte Angleichung der Arbeitszeit einen schweren Flurschaden verursachen“, so Lambusch, der auch Arbeitgeberpräsident in Mecklenburg-Vorpommern ist.

„Was an konkreten Schritten machbar und vertretbar ist, müssen die Betriebsparteien vor Ort entscheiden. Das kann man nicht aus der Gewerkschaftszentrale heraus verordnen“, mahnte Lambusch. Ebensowenig ließen sich die individuellen Arbeitszeitwünsche von Betrieben und Belegschaften in ein starres Korsett zwängen. „Hier brauchen wir mehr Spielräume für betriebliche Regelungen innerhalb von Arbeitszeit-Korridoren, die die Tarifparteien vorher festlegen.“ An diesen Fragen entscheide sich die Zukunft des Flächentarifs und die Sicherheit der Standorte und Arbeitsplätze in Mecklenburg-Vorpommern, mahnte Lambusch mit Blick auf die exorbitanten Unterschiede zwischen mehr als 43 Euro M+E-Arbeitskosten pro Stunde in Deutschland, gut neun Euro in Polen und noch weniger in anderen Ländern.