18.4.16: Studienabbrecher willkommen - aber ohne Extrabehandlung

BIBB-Betriebsbefragung zur dualen Berufsausbildung von Studienabbrechern

Betriebe stehen der Ausbildung von jungen Erwachsenen, die ihr Studium nicht zu Ende geführt haben, aufgeschlossen gegenüber. Das Potenzial der Studienabbrecher/-innen für die duale Berufsausbildung zu nutzen, findet angesichts der demografischen Entwicklung sowie der zunehmenden Schwierigkeiten, Ausbildungsplätze zu besetzen, bei weiten Teilen der Betriebe Zuspruch. Ungeachtet dieser positiven Einstellung hält aber eine große Mehrheit der Betriebe wenig von besonderen Ausbildungsregelungen und -modellen für Studienabbrecher/-innen. Dies sind Ergebnisse einer mit dem Referenz-Betriebs-System (RBS) durchgeführten Betriebsbefragung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), an der sich rund 570 Ausbildungsbetriebe beteiligt haben.

So wird die Überlegung einer generellen Freistellung von Studienabbrecherinnen und Studienabbrechern vom Berufsschulunterricht von über 80% der Betriebe abgelehnt. Auch die Idee, separate Berufsschulklassen für Studienabbrecher/-innen einzurichten, findet bei mehr als der Hälfte der befragten Betriebe keinen Anklang. Allerdings bewerten immerhin rund 30% diesen Ansatz als "gut" oder "sehr gut". Ein Teil der Betriebe hält dies anscheinend für ein geeignetes Instrument, um die Attraktivität der dualen Berufsausbildung für Studienabbrecher/-innen zu erhöhen.

Dagegen hat eine weitere Befragung des BIBB in Kooperation mit der Universität Maastricht unter Studierenden verdeutlicht, dass für die Mehrheit von ihnen im Falle eines Wechsels von der Hochschule in die duale Berufsausbildung die Frage eines gesonderten oder gänzlich wegfallenden Berufsschulunterrichts kaum von Belang ist und auch nicht dazu beiträgt, die Attraktivität einer dualen Berufsausbildung zu steigern.

Durchwachsen fällt das Votum der Unternehmen innerhalb der Betriebsbefragung bei der Frage aus, die Ausbildungszeit für Studienabbrecher/-innen über das derzeit geltende Maß hinaus weiter zu verkürzen. Rund die Hälfte der befragten Betriebe spricht sich dagegen aus; rund ein Drittel würde eine solche Sonderregelung begrüßen. Das Berufsbildungsgesetz eröffnet bereits jetzt die Möglichkeit, dass Jugendliche mit Fachhochschulreife oder Abitur ihre Ausbildungszeit um zwölf Monate verkürzen können.

Größere Meinungsdifferenzen zwischen erfahrenen und aufgeschlossenen Betrieben zeigen sich in Bezug auf die Frage, ob Studienleistungen Teile der Ausbildungsachlussprüfung ersetzen, d.h. mit ihnen gleichgesetzt werden sollten. Unter den erfahrenen Betrieben ist die Einstellung hierzu recht eindeutig: Zwei Drittel von ihnen hält dies für keinen guten Vorschlag, nur jeder Siebte spricht sich dafür aus. Weniger eindeutig ist die Haltung unter den aufgeschlossenen Betrieben: Die Hälfte von ihnen lehnt eine Gleichwertigkeit von Studien- und Prüfungsleistungen ab, knapp ein Drittel befürwortet sie.

Weitere Informationen zu den Ergebnissen der Betriebsbefragung in der neuen Ausgabe des
BIBB REPORT, Heft 2/2016: "Studienabbrecher/-innen: Als Auszubildende in Betrieben willkommen - aber möglichst ohne Extrabehandlung" unter www.bibb.de/bibbreport sowie in der BIBB-Pressemitteilung Nr. 36/2015. Informationen zum Referenz-Betriebs-System (RBS) des BIBB stehen unter www.bibb.de/rbs zur Verfügung.

Weitere Informationen zu den Ergebnissen der Studierendenbefragung des BIBB in Kooperation mit der Universität Maastricht finden Sie hier sowie in der BIBB-Pressemitteilung Nr. 4/2016.