17.4.15: Mehrheit nutzt gar keine Werkverträge

Eine neue Umfrage der Arbeitgeberverbände Nordmetall und AGV Nord soll die Debatte um Werkverträge versachlichen. Danach arbeiten 54 Prozent der befragten Firmen ganz ohne Werkverträge.

Insgesamt wird geschätzt, dass auf 100 Stammbeschäftigte nur sieben weitere Arbeitnehmer kommen, die im Rahmen von Werkverträgen tätig sind. 72 Prozent der Befragten rechneten mit einer gleichbleibenden, 11 Prozent sogar mit einer geringeren Nutzung von Werkverträgen als heute. "Dies zeigt, dass sich Werkverträge nicht zur Dramatisierung eignen", so Nico Fickinger, Hauptgeschäftsführer von Nordmetall und AGV Nord.

Werkverträge seien seit Jahrzehnten die bewährte Grundlage für eine arbeitsteilige Wirtschaft, in der Spezialisierung zum Fortschritt beiträgt. Wer Werkverträge zu stark reguliere, der würge wirtschaftliche Erfolge ab, warnte Fickinger. Mehr als 80 Prozent der Firmen sagten im Falle einer Beschneidung von Werkverträgen einen Verlust an Wettbewerbsfähigkeit voraus, ein Drittel befürchtet eine Abwanderung von Arbeit ins Ausland, ein Viertel den Verlust an Arbeitsplätzen.

"Den Unternehmen geht es darum, sich auf ihre Kernkompetenz zu konzentrieren und für alles andere Spezialisten zu beauftragen", so Fickinger. Zu den Aufgaben, die Unternehmen per Werkvertrag einkaufen, gehören der Umfrage zufolge Schweißarbeiten, die Logistik, Software-Entwicklung, aber auch Werkschutz, Kantine, Betriebsarzt oder der externe Datenschutzbeauftragte. Die Abfederung von Auftragsspitzen sei ein weiteres Hauptmotiv für die Vergabe von Werkverträgen. Der möglicherweise geringere Stundenlohn im Werkvertragsunternehmen spiele dagegen eine untergeordnete Rolle, weil der Auftraggeber diesen weder kennt noch direkt zahlt. Auch der Vorwurf, über Werkverträge würden mehr ausländische Arbeiter eingesetzt, geht ins Leere: Bei 77 Prozent der Unternehmen ist der Anteil ausländischer Arbeitnehmer unter Werkvertragsbeschäftigten ebenso hoch oder sogar niedriger als in der Stammbelegschaft.

Auch die Qualifikation von Beschäftigten in Werkvertragsunternehmen zeigt, dass es in erster Linie darum geht, gute Fachkräfte mit bestimmten Projekten zu betrauen: "40 Prozent der Personen, die im Rahmen von Werkverträgen zum Einsatz kommen, sind ausgebildete Fachkräfte, 30 Prozent sogar Hochschulabsolventen, z.B. Ingenieure und IT-Entwickler", heißt es in der Verbandsstudie. "Diese Menschen sind nicht in unsicherer Arbeit, sondern bei den Werkvertragsunternehmen sozialversicherungspflichtig und meist unbefristet beschäftigt", betont Fickinger.

Es sei daher unerträglich, dass Politik und IG Metall in der öffentlichen Diskussion immer öfter den Eindruck erweckten, Werkverträge seien etwas Skandalöses. Erfolgreiche Zuliefer- und Dienstleistungsbetriebe dürften nicht länger verunglimpft werden. Die meisten der angeblichen "Missbrauchsfälle" seien klare Gesetzesverstöße, die auch aus Sicht der Arbeitgeber konsequent sanktioniert werden müssten. "Illegales Verhalten ist schon jetzt strafbar, dafür braucht es weder neue Gesetze noch mehr Mitbestimmung." Vielmehr müsse der Staat seine Kontrollpflicht wahrnehmen. 74 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass sie im vergangenen Jahr nicht von staatlichen Aufsichtsbeamten des Zolls oder des Arbeitsschutzes besucht wurden. "Obwohl es kaum Kontrollen gibt, ergreifen die Firmen freiwillige Maßnahmen. Über ein Drittel der Unternehmen hat bereits einen Verhaltenskodex für Werkvertragsfirmen entwickelt. In mehr als der Hälfte gibt es zusätzliche Regelungen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz der Werkvertragsbeschäftigten. Dies zeigt, dass sich unsere Industrie der Verantwortung für ordentliche Arbeitsbedingungen bewusst ist", so Fickinger.