17.1.19: IAB-Studie zur regionalen Mobilität von Auszubildenden

Das IAB (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit) hat eine Analyse zur regionalen Mobilität von Auszubildenden erstellt. Sie finden den entsprechenden Kurzbericht unter www.iab.de > Publikationen > IAB-Kurzberichte

Das IAB kommt zu folgenden Ergebnissen:

  • Der Ausbildungsstellenmarkt ist durch regionale Heterogenität geprägt, d.h. in einigen Regionen stehen deutlich mehr Ausbildungsplätze zur Verfügung als in anderen. Entsprechend verzeichnen solche Ausbildungszentren erheblich mehr Ein- als Auspendler.
  • Auch wenn Großbetriebe (> 250 Beschäftigte) lediglich rd. 30 % aller Auszubildenden ausbilden und die Ausbildungsleistung überwiegend von KMU erbracht wird, spielt die Zahl der Großbetriebe vor Ort eine erhebliche Rolle. Je höher der Anteil der Beschäftigten in Großbetrieben, desto besser fällt die regionale Ausbildungsplatzversorgung aus. Viele Großbetriebe in einer Region sorgen dafür, dass dort auch viele Ausbildungsplätze zur Verfügung stehen
  • Einfluss auf die Mobilität haben insbesondere der Schulabschluss der Auszubildenden sowie der ergriffene Ausbildungsberuf. Abiturienten sind besonders mobil: 57 % absolvieren ihre Ausbildung im Wohnortkreis, 29 % in einem Nachbarkreis und 15 % weiter entfernt. Bei Auszubildenden mit mittlerer Reife liegen die entsprechenden Anteile bei 67 %, 25 % sowie 8 %. Bei Auszubildenden mit Hauptschulabschluss bzw. ohne Schulabschluss sind es über 70 %, die eine Ausbildung vor Ort absolvieren. Gründe für die höhere Mobilität von Auszubildenden mit (Fach-)Abitur sind deren höheres Durchschnittsalter sowie die Wahl von Ausbildungsberufen, die weniger in peripheren Regionen angeboten werden.
  • Mit Blick auf die Ausbildungsberufe sind besonders Auszubildende in MINT-Berufen sowie in Werbung-, Marketing- und Medienberufen mobil. In den MINT-Berufen verfügen über die Hälfte der Auszubildenden über eine Hochschulreife, so dass sich hier die Faktoren "Schulabschluss" und "Ausbildungsberuf" summieren.
  • Aufgrund der unterschiedlichen Wirtschaftsstruktur in Ost- und Westdeutschland ist es wenig überraschend, dass mehr ostdeutsche Ausbildende in den Westen pendeln als umgekehrt (3,7 % bzw. 8.300 Auszubildende von Ost nach West; 0,4 % bzw. 5.300 Auszubildende von Westen nach Osten). Aufgrund der demografischen Entwicklung ist die Zahl der Ost-West-Pendler und -Pendlerinnen in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. 
  • Der Bericht betont, dass mobile Auszubildende aus ländlichen Regionen häufig nicht nur zwischen Wohnort und Ausbildungsbetrieb, sondern auch weitere Entfernungen zur Berufsschule zurücklegen müssen. Hier werden Mobilitätsanreize (z. B. Azubi-Ticket) sowie ein Ausbau von Online-Angeboten der Berufsschulen vorgeschlagen.

Der erst jüngst in der Presse vorgetragene Vorwurf, große Betriebe zeigten ein zurückgehendes Ausbildungsengagement, lässt sich mit den Ergebnissen dieser Studie entkräften. Allerdings sind auch Betriebe dieser Größe - wie alle Ausbildungsbetriebe - vom demografisch bedingten Rückgang der Schulabsolventenzahlen betroffen: Seit 2003 ist die Zahl der Schüler/-innen, die die Schule mit Haupt- oder Realschulabschluss beenden, um 24 % zurückgegangen. Die Zahl der Ausbildungsverträge nahm allerdings nur um 6 % ab, d.h. die Betriebe halten dem demografischen Rückgang entgegen.