15.11.17: Verhandlungsauftakt Tarifrunde 2018: M+E-Arbeitgeber präsentieren Forderungen an Gewerkschaft

NORDMETALL hat heute in Hamburg zum Verhandlungsauftakt der Tarifrunde 2018 der IG Metall Küste einen Katalog mit eigenen Forderungen der Arbeitgeber präsentiert.

Zugleich wies NORDMETALL die Forderungen der Gewerkschaft nach einem Teilentgeltausgleich sowie einer Gesprächsverpflichtung über eine Angleichung der Arbeitszeit im Osten kategorisch zurück. „Beides sind für uns absolute NoGos, darüber werden wir nicht verhandeln“, erklärte Verbandspräsident Thomas Lambusch. Einen bedingungslosen Anspruch auf eine 28-Stunden-Woche für alle lehnte er ebenfalls ab, stellte beim Entgelt aber eine faire Erhöhung in Aussicht.
Der Wandel der Arbeitswelt im Zuge von Globalisierung, Digitalisierung und der wachsenden Dienstleistungsintensität mache Änderungen der Arbeitszeitregeln erforderlich, begründete Lambusch die Arbeitgeberforderungen. „Die bestehenden Regelungen in den Manteltarifverträgen wurden in einer Zeit vereinbart, die von Massenarbeitslosigkeit geprägt war. Heute sieht die Welt völlig anders aus. Die Bedarfe der Unternehmen und die Bedürfnisse der Arbeitnehmer nach mehr Selbstbestimmung sind neu auszutarieren.“

NORDMETALL stellt folgende Forderungen zur Arbeitszeit in der Tarifrunde 2018 auf:

Bedarfsgerechte und kostenneutrale Ausweitung des individuellen Arbeitszeitvolumens
Derzeit dürfen nur 13 Prozent der Tarifbeschäftigten eines Betriebes die Arbeitszeit in Westdeutschland über 35 Stunden und in Ostdeutschland über 38 Stunden hinaus erhöhen. Künftig sollen solche individuellen Arbeitszeitvereinbarungen möglich sein, ohne dass sie durch eine betriebliche Höchstquote begrenzt werden.

Bedarfsgerechte und vorübergehende Erhöhung des betrieblichen Arbeitszeitvolumens
Zur Beschäftigungssicherung kann schon jetzt vorübergehend die Arbeitszeit kollektiv für einen Betrieb oder einzelne Betriebsteile gesenkt werden. NORDMETALL fordert eine tarifliche Regelung, die bedarfsbedingt auch eine vorübergehende kollektive Erhöhung der Arbeitszeit durch Betriebsvereinbarung ermöglicht.

Modernisierung der Regelungen über die Zahlung von Zeitzuschlägen
NORDMETALL fordert einen tariflichen Rahmen, der die Voraussetzungen für Zeitzuschläge und deren Höhe so ausgestaltet, dass dies den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit im globalen Umfeld unterstützt. Bestimmt der Beschäftigte die Lage der Arbeitszeit selbst und verlegt sie zum Beispiel in die Abendstunden, gibt es keinen Grund, dass er hierfür Zeitzuschläge erhält.

Erweiterung der Gestaltungsmöglichkeiten für befristete Arbeitsverhältnisse
Die heutigen tariflichen Regelungen an der Küste erlauben keine sachgrundlose Befristung. Selbst mit Sachgrund dürfen Arbeitsverhältnisse maximal auf 18 Monate, im Falle der Elternzeitvertretung ausnahmsweise auf bis zu 21 Monate begrenzt werden. Das entspricht weder den Bedürfnissen der Betriebe noch der Lebenswirklichkeit der Arbeitnehmer. NORDMETALL fordert daher, sachgrundlose Befristungen mit einem erheblich höheren Zeitrahmen zuzulassen, um für beide Seiten mehr Flexibilität organisieren zu können.

Anpassung des Arbeitszeitgesetzes an den europäischen Rahmen
Um die Flexibilitätsanforderungen unserer Betriebe und Beschäftigten abzudecken, will NORDMETALL gemeinsam mit der IG Metall auf den Gesetzgeber zugehen, um das Arbeitszeitgesetz an den europäischen Rahmen anzupassen. So soll die tägliche durch eine wöchentliche Maximalarbeitszeit ersetzt werden, ohne dass damit eine Ausweitung des wöchentlichen Arbeitszeitvolumens verbunden ist. Auch muss klargestellt werden, dass eine Mindestruhezeit bei selbstgewählter Arbeitszeit nicht eingehalten werden muss und kurzfristige Unterbrechungen die Mindestruhezeit nicht neu anlaufen lassen.

Abschließend warnte Lambusch die IG Metall, die Manteltarifverträge im Norden zu kündigen: „Wenn die gesamten Rahmenregelungen eines Arbeitsverhältnisses, die sich im Manteltarifvertrag wiederfinden, gekündigt würden, wären die Folgen kaum zu kalkulieren. Sollte die Gewerkschaft diesen Schritt gehen, behalten wir uns vor, in der zweiten Verhandlung weitere regionale Zusatzforderungen zu erheben.“

Die nächste Runde der Verhandlungen zwischen NORDMETALL und der IG Metall Küste ist für den 8. Dezember in Lübeck geplant.