15.11.17: Tarifrunde 2018 - Verhandlungsauftakt im Norden

Heute vormittag fand in Hamburg die erste Verhandlung in der Tarifrunde 2018 der Metall- und Elektroindustrie im Norden statt.

Die in großer Kommission geführte zweieinhalbstündige Verhandlung in Hamburg wurde auf Arbeitgeberseite geleitet vom Präsidenten und Verhandlungsführer von NORDMETALL, Herrn Thomas Lambusch. Die Kommission der IG Metall verhandelte unter der Führung ihres Bezirksleiters, Herrn Meinhard Geiken.

Vor Beginn der Gespräche demonstrierten nach Angaben der IG Metall gut 1.000 Mitglieder vor dem Verhandlungssaal.

Die IG Metall stellte zunächst ihre Forderungen dar und unternahm den Versuch, diese zu begründen.

Entgelt:
Die geforderte Erhöhung der Entgelte und Ausbildungsvergütungen in Höhe von 6 Prozent für eine Laufzeit von 12 Monaten begründete Herr Geiken mit der auch im Norden guten wirtschaftlichen Situation. „Die wirtschaftliche Situation ist besser als vor der letzten Tarifrunde, die norddeutsche M+E-Industrie befindet sich auf der Sonnenseite der Konjunktur", so Geiken.

Arbeitszeit / Teilentgeltausgleich:
Hier fordert die Gewerkschaft einen individuellen Anspruch für jeden Beschäftigten auf Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit auf bis zu 28 Stunden für eine Zeitdauer von bis zu 24 Monaten. Die Reduzierung soll ohne Begründungszwang für zwei Jahre möglich sein. Danach bestehe der Anspruch, auf die ursprüngliche Arbeitszeit zurückzukehren.

Beschäftigte, die Kinder unter 14 Jahren im Haushalt betreuen oder Familienange-hörige pflegen, sollen einen fixen Zuschuss von 200,00 € pro Monat erhalten, wenn sie die wöchentliche Arbeitszeit um 3,5 Stunden oder mehr reduzieren.

Beschäftigte in Schichtarbeit oder anderen gesundheitlich belastenden Arbeitszeitmodellen, die die Wahloption nutzen und ihre Jahresarbeitszeit (Schichten) verkürzen, sollen einen tarifdynamischen Entgeltzuschuss von 750,00 € pro Jahr erhalten.

Hierzu führte Herr Geiken insbesondere aus, dass eine größere Arbeitszeitsouveränität der Wille der Beschäftigten sei, eine bessere Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben sei gewünscht.

Neben der Forderung zu Entgelt und Arbeitszeit hat die IG Metall folgende weitere Themen angesprochen:

  • Regelungen zum Personalausgleich zur Verhinderung von mehr Leistungsdruck durch die Reduzierung der Arbeitszeit.
  • Auszubildende und dual Studierende sollen zur Vorbereitung auf Prüfungen einen bezahlten freien Tag je Prüfung erhalten.
  • Für Mecklenburg-Vorpommern werde eine belastbare Verhandlungsverpflichtung für einen Prozess zur Angleichung der Entgelte, Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen angestrebt.
  • Schließlich solle im Rahmen der Verhandlungen eine Angleichung der Schichtzuschläge an die anderen Tarifgebiete der Metall- und Elektroindustrie erreicht sowie eine Vergütung der Wasch- und Umkleidezeiten durchgesetzt werden.  

Herr Lambusch wies die Forderungen entschieden zurück. Er führte aus, dass ein Umsetzen dieser die Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebe schädigen und den Fachkräftemangel spürbar verschärfen würden. Gleicheitig warnte er die Gewerkschaft vor der von der IG Metall bereits in Aussicht gestellte Kündigung der Manteltarifverträge - "das Band, das uns alle zusammenhält, wird in diesem Fall zerschnitten", so Lambusch.

Zu den Vorstellungen der IG Metall hinsichtlich der tariflichen Neugestaltung der Arbeitszeit führte Herr Lambusch aus, dass die betrieblichen Bedarfe keinerlei Berücksichtigung fänden, die Forderung somit nicht umsetzbar sei. Der geforderte Teilengeltausgleich werde kategorisch abgelehnt, auch sei eine Verpflichtung zur Angleichung der Arbeitsbedingungen im Osten für NORDMETALL ein NoGo.

Nach einer intensiven Diskussion stellte Herr Lambusch die Forderungen der Arbeitgeber zum Themenkomplex "Arbeitszeit" im Einzelnen vor:

Mehr Volumen - bedarfsgerecht und kostenneutral:
Die Arbeitgeber fordern die Ermöglichung individueller (befristeter oder unbefristeter) Arbeitszeitvereinbarungen ohne Quotenbeschränkung.

Mehr Flexibilität - bedarfsgerecht und kostenneutral:
Es wird eine tarifliche Regelung gefordert, die bedarfsbedingt eine kollektive vorübergehende Erhöhung der Arbeitszeit bei entsprechendem zuschlagsfreiem Entgeltausgleich außerhalb von Mehrarbeit durch Betriebsvereinbarung ermöglicht.

Arbeitszeit – Anpassung bestehender Regelungen:
Es soll ein tariflicher Rahmen geschaffen werden, der die Voraussetzungen für Zeitzuschläge und deren Höhe so ausgestaltet, dass dies den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit im globalen Umfeld unterstützt. Dies beinhaltet auch eine tarifliche Klarstellung, dass Zeitzuschläge nicht anfallen, wenn der Beschäftigte die Lage der Arbeitszeit selbst bestimmen kann.

Arbeitszeit - Erweiterte Gestaltungsmöglichkeiten:
Die Möglichkeiten/Dauer der sachgrundlosen Befristungen im Rahmen der Öffnungsklausel im Teilzeit- und Befristungsgesetz sind zu erweitern.

Arbeitszeit – gesetzlichen Regelungen:
Die Arbeitgeber fordern ein gemeinsames Zugehen auf den Gesetzgeber mit dem Ziel einer Anpassung des Arbeitszeitgesetzes z.B. dahingehend, dass die tägliche durch eine wöchentliche Maxi-malarbeitszeit ersetzt sowie klargestellt wird, dass eine Mindestruhezeit bei der selbstgewählten Lage der Arbeitszeit nicht eingehalten werden muss und kurzfristige Unterbrechungen die Mindestruhezeit nicht neu in Lauf setzen.

Herr Lambusch hob hervor, dass die Arbeitgeberseite sich vorbehält, in der zweiten Verhandlung weitere regionale Zusatzforderungen zu erheben, sollten die Manteltarifverträge durch die Gewerkschaft gekündigt werden.

Mit diesem Stand wurden die Verhandlungen auf den 08. Dezember in Lübeck vertagt.

Die Pressemitteilung von NORDMETALL finden Sie hier.

 

Folgende Verhandlungstermine sind nach heutigem Stand vereinbart:

Nordrhein-Westfalen  /  1. Runde  /  16.11.2017
Bayern  /  1. Runde  /  16.11.2017
M+E Mitte  /  1. Runde  /  16.11.2017
Sachsen  /  1. Runde  /  17.11.2017
Sachsen-Anhalt  / 1. Runde  /  21.11.2017
Thüringen  /  1. Runde  /  22.11.2017

Bayern  /  2. Runde  /  06.12.2017
M+E Mitte  /  2. Runde  /  06.12.2017
Niedersachsen  /  2. Runde  /  06.12.2017
NORDMETALL  /  2. Runde /  08.12.2017
Sachsen  /  2. Runde  /  11.12.2017
Baden-Württemberg  /  2. Runde  /  14.12.2017
Nordrhein-Westfalen  /  2. Runde  /  14.12.2017
Thüringen  /  2. Runde  /  15.12.2017