13.12.13: 10 Jahre Miniphänomenta: So werden Grundschulen besser

Die Idee aus Norddeutschland schaffte es sogar bis nach Thailand

Was ist ein Klopf-o-fon? Und warum werden Styroporkugeln zu „elektrischen Flöhen“? Am besten ist es, wenn Kinder die Antworten selbst heraus-finden. Denn Kinder sind von Natur aus Forscher – bekommen nur zu selten Gelegenheit dazu. Abhilfe schafft seit 10 Jahren das Projekt „Miniphänomenta“, mit dem die Nordmetall-Stiftung Naturwissenschaft und Technik in die Grundschulen bringt.

„Die Ergebnisse der neuen Pisa-Studie zeigen: Wir sind auf dem richtigen Weg, dürfen jetzt aber nicht nachlassen, Deutschlands Kinder für MINT-Themen zu begeistern“, so Dr. Thomas Klischan, Vorstandsmitglied der Nordmetall-Stiftung und Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Nordmetall. Seit dem Start 2003 in Schleswig-Holstein ist die Miniphänomenta mit Hilfe von Partnern mittlerweile nicht nur über den Norden hinaus im Einsatz, sondern auch in Lettland und Thailand. Die Nordmetall-Stiftung hat bislang mehr als 1 Mio. Euro in das Großprojekt investiert. Am 11. Dezember wird das Jubiläum mit einem Bildungsforum in Hamburg gefeiert.

Mehr als 100.000 Kinder in über 1.300 Schulen haben die Miniphänomenta schon erlebt. Kern des Konzepts sind 52 Experimente, hinter denen technische Alltagsphänomene stecken. Was steckt hinter optischen Täuschungen, wie verhält sich Wasser, was bewirkt Schwerkraft, wie entstehen Töne?

Die Schulen können die Stationen ausleihen und dann selbst nachbauen, um sie dauerhaft zur Verfügung zu haben. Die Experimente werden den Schülern außerhalb der Klassenräume zur freien Verfügung gestellt, wo sie alles ausprobieren können und versuchen, eigene Erklärungen zu finden. Aha-Effekte sind garantiert. Teil des Projekts ist eine vorherige Lehrerfortbildung. Im Mittelpunkt dieses Seminars steht der Appell, im Gegensatz zum üblichen Unterricht bei den Experimenten nicht erklärend einzugreifen.

„Der pädagogische Ansatz lautet: Kinder sind neugierig, Vorträge helfen ihnen wenig, nur eigene Erfahrung begründet sicheres Wissen“, so Professor Lutz Fiesser, ehemaliger Direktor des Instituts für Physik und Chemie und ihre Didaktik an der Universität Flensburg, der die Miniphänomenta vor zehn Jahren für die Nordmetall-Stiftung erdacht und verwirklicht hat.

Fiesser sagt: Kinder, die in ihrer Grundschulzeit die Miniphänomenta erlebt haben, lassen sich noch Jahre später in ihrem Interesse und Lernverhalten von anderen unterscheiden.

Pünktlich zur Jubiläumsfeier legte die Nordmetall-Stiftung eine Publikation vor, die die Belege, wie die Miniphänomenta wirkt, aus mehreren wissenschaftlichen Studien zusammenfasst.

So habe die Miniphänomenta „auch mehrere Jahre nach dem Schulwechsel deutliche Auswirkungen auf Einstellungen zu naturwissenschaftlichen Fächern“. Das Selbstbild der Schülerinnen und Schüler in naturwissenschaftlichen Fächern werde deutlich gestärkt, wenn sie als Grundschüler die Miniphänomenta erlebt hätten. „Von solchen Schülern dürfen wir auch ein größeres Interesse an technischen Berufen oder Ingenieurstudiengängen erwarten“, sagt Nordmetall-Stiftungsvorstand Klischan.

Professor Fiesser betonte im Rahmen der Jubiläumsfeier: „Die Experimentierstationen der Miniphänomenta fördern die Einheit von Denken und Handeln und sind Anlass zum gemeinsamen Nachdenken und Diskutieren. In Verbindung mit der Anregung an Eltern, Experimentierstationen für die Schule der eigenen Kinder nachzubauen, konnten wir tiefgreifende Verbesserungen der pädagogischen Situation von Grundschulen bewirken.“

Interessierte Grundschulen können sich an die Universität Flensburg wenden (E-Mail: ruff@uni-flensburg.de)